FAQ

Was ist Trauma und wie entsteht es?

Der Begriff Trauma kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Wunde“. Eine vielzitierte Definition stammt von der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde SAMHSA (Substance Abuse and Mental Health Services Administration): Demnach entsteht individuelles Trauma durch ein Ereignis, eine Abfolge von Ereignissen oder eine Lebensumständekonstellation, die von einer Person als körperlich oder seelisch bedrohlich beziehungsweise lebensgefährlich erlebt wird und die anhaltende, belastende Auswirkungen auf ihr Funktionieren sowie ihr mentales, körperliches, soziales, emotionales oder spirituelles Wohlbefinden hat.

Vereinfacht gesagt: Ein Trauma entsteht, wenn wir etwas erleben, das unsere Möglichkeiten, damit umzugehen, in diesem Moment übersteigt – körperlich, emotional oder seelisch. Wichtig zu wissen: Nicht das Ereignis selbst „ist“ das Trauma, sondern die Art, wie unser Nervensystem darauf reagiert und wie die Erfahrung in uns verarbeitet wird – oder eben nicht verarbeitet werden kann.

Wenn eine Situation zu viel, zu schnell oder zu überwältigend war und wir sie in dem Moment nicht vollständig durchleben und abschließen konnten, kann sich diese Erfahrung in unserem Nervensystem gewissermaßen festsetzen. Das zeigt sich manchmal erst Jahre oder Jahrzehnte später in Form von Symptomen – oft ganz ohne dass wir bewusst die Verbindung zum ursprünglichen Erlebnis herstellen. Das ist keine Schwäche und kein Versagen, sondern eine sehr menschliche Schutzreaktion unseres Körpers.

Überblick

Verschiedene Traumaarten

Schock- oder Akuttrauma

Entsteht durch ein einzelnes, plötzliches Ereignis – etwa einen Unfall, eine Operation, einen Überfall oder eine Naturkatastrophe.

Entwicklungstrauma

Entsteht in der Kindheit durch wiederholte belastende Erfahrungen innerhalb wichtiger Beziehungen – zum Beispiel emotionale Vernachlässigung, Überforderung der Bezugspersonen oder ein Mangel an Sicherheit und Feinfühligkeit in einer besonders empfindsamen Entwicklungsphase.

Bindungstrauma

Entsteht, wenn die Beziehung zu den wichtigsten Bezugspersonen selbst unsicher, unvorhersehbar oder beängstigend war. Auch der Verlust einer wichtigen Bezugsperson – etwa durch Trennung, Krankheit oder Tod – kann ein Bindungstrauma auslösen, besonders wenn dieser Verlust in einer frühen Lebensphase geschah oder die Trauer nicht ausreichend begleitet werden konnte.

Komplextrauma

Entsteht durch anhaltende oder sich wiederholende belastende Erfahrungen, wie Vernachlässigung oder Gewalt, oft über einen längeren Zeitraum, häufig innerhalb von Beziehungen, aus denen es kein Entkommen gab.

Sekundäres Trauma

Kann entstehen, wenn wir dem Leid anderer Menschen sehr nahe sind – etwa in helfenden Berufen – oder Zeugen eines belastenden Ereignisses werden, ohne selbst direkt betroffen zu sein.

Kollektives / transgenerationales Trauma

Belastende Erfahrungen, die ganze Gruppen oder Familien über Generationen hinweg betreffen, etwa durch Krieg, Vertreibung, Flucht oder gesellschaftliche Diskriminierung. Es gibt viele Hinweise darauf, dass solche Erfahrungen über Generationen hinweg weitergegeben werden können.

Medizinisches Trauma

Entsteht im Zusammenhang mit medizinischen Eingriffen, Diagnosen, Krankenhausaufenthalten oder Geburtserfahrungen – eine Form von Trauma, die oft unterschätzt wird, weil die Situation ja „zum Wohle“ der Person geschah.

Symptome

Mögliche Symptome von Trauma

Traumafolgen zeigen sich bei jedem Menschen anders. Häufig berichtete Symptombereiche sind:

Körperlich

Chronische Verspannungen, insbesondere in Nacken, Kiefer, Becken oder Zwerchfell; unerklärliche Schmerzen; Verdauungsprobleme; Erschöpfung; ein Gefühl von Taubheit oder Losgelöstsein vom eigenen Körper.

Im Nervensystem

Übererregung – etwa Schreckhaftigkeit, innere Unruhe, Schlafprobleme, ständige Alarmbereitschaft – oder auch Untererregung – etwa Erschöpfung, Rückzug, ein Gefühl von Leere oder das Erleben, wie im Autopilot zu funktionieren.

Emotional

Angst, Reizbarkeit, plötzliche Gefühlsausbrüche, Scham- oder Schuldgefühle, emotionale Taubheit, Schwierigkeiten, Nähe zuzulassen.

Gedanklich

Konzentrationsschwierigkeiten, Grübeln, wiederkehrende belastende Erinnerungen, Gedächtnislücken.

Im Verhalten

Vermeidung, Schwierigkeiten in Beziehungen, übermäßige Wachsamkeit oder ein starkes Kontrollbedürfnis, Rückzug oder auch Strategien, um innere Anspannung zu betäuben.

Diese Symptome können viele verschiedene Ursachen haben und deuten nicht automatisch auf ein Trauma hin. Solltest du dich in einigen davon wiedererkennen, bist du damit nicht allein – und eine fundierte Einschätzung kann letztlich nur von entsprechend ausgebildeten Fachpersonen wie Ärzt:innen oder Psychotherapeut:innen gegeben werden.

Zum Glück entsteht nicht durch jede schwierige Erfahrung ein Trauma mit belastenden Folgen. Oft können Menschen alleine oder mithilfe anderer aus den Tälern des Lebens herausfinden und gestärkt weitergehen. Wenn dies aber ausbleibt – und das Gefühl entsteht, den eigenen Symptomen und Zuständen gegenüber ausgeliefert zu sein, und wichtige Bereiche des Lebens nicht mehr gestalten zu können – dann braucht es eine zusätzliche Unterstützung von außen.

Hinweis: Dieser Text dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Diagnose. Bei akuten Beschwerden oder dem Verdacht auf eine Traumafolgestörung empfehle ich, sich an eine entsprechend qualifizierte Fachperson (Ärzt:in, Psychotherapeut:in) zu wenden.
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